VfJ feiert 75-jähriges Bestehen

75 Jahre Engagement für junge Menschen: Mit einem feierlichen Festakt in der Martin-Luther-Schule in Buseck beging der Verein für Jugendhilfen Leppermühle e.V. sein 75-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit Gästen aus Politik, langjährigen Kooperationspartnern, Mitarbeitenden sowie Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wurde auf eine bewegte Geschichte zurückgeblickt und zugleich der Blick auf aktuelle Herausforderungen der Jugendhilfe gerichtet.

Grußworte der geladenen Gäste würdigten die Arbeit des Vereins und seine Bedeutung für die Region. Anita Schneider, Landrätin des Landkreises Gießen (SPD), lobte den ganzheitlichen Blick des Vereins auf die Entwicklung der hier betreuten jungen Menschen. Wie wichtig dies sei, habe der Landkreis im Laufe der Jahrzehnte erst lernen müssen. Der gemeinsame Gedanke, junge Menschen nicht auf eine Diagnose zu reduzieren, verbinde alle Beteiligten. „Jeder junge Mensch, der Unterstützung erhält und seinen Platz in der Gesellschaft findet, ist ein Gewinn“, sagte Schneider. Deshalb sei die Jugendhilfe eine Investition, die sich lohne.

Der Gießener Stadtrat Francesco Arman (SPD) betonte, der Verein für Jugendhilfen Leppermühle e.V. leiste herausragende Arbeit. Auch Busecks Bürgermeister Michael Ranft (CDU) sagte: „Sie geben Raum zur Entfaltung, Sie geben Zuversicht.“ Die Geschichte des Vereins sei durch die Leppermühle in Buseck, die der Verein Anfang der 1960er Jahre kaufte, eng mit der Gemeinde verbunden.

Für die Mitarbeitendenvertretung des Vereins für Jugendhilfen Leppermühle e.V. überbrachte Monika Deichmann Grußworte. Der Verein sei ein Haus mit offenen Türen; hier herrsche die Überzeugung, dass „jeder Mensch einzigartig und in Ordnung ist und Unterstützung verdient“. Hier zu arbeiten bedeute, etwas Sinnvolles tun zu können.

Mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Marburg verbindet den Verein seit Jahrzehnten eine enge Kooperation. Prof. Dr. Katja Becker, Leiterin der Kinder- und Jugendpsychiatrie, lobte die Zusammenarbeit, die auf gemeinsamen Überzeugungen und persönlichen Beziehungen beruhe.

Ein historischer Vortrag des Büros für Erinnerungskultur zeichnete die Entwicklung der Leppermühle in den vergangenen Jahrzehnten nach. Die Historiker hatten sich in den drei zurückliegenden Jahren intensiv mit der Geschichte des Vereins befasst, Dokumente und Fotos gesichtet, Archive aufgesucht sowie mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gesprochen. Dr. Holger Köhn gab einen Abriss über die Entwicklung des Vereins in den vergangenen Jahrzehnten und verwies dabei auch auf schwierige Kapitel: Zeitzeuginnen und Zeitzeugen haben insbesondere aus den 1970er- und 1980er-Jahren auch von Gewalterfahrungen in den Einrichtungen berichtet. Der Vorstand des Vereins entschuldigte sich bei den Betroffenen und sicherte vorbehaltloses Zuhören sowie Unterstützung bei der Suche nach Hilfe zu.

Alle Ergebnisse der historischen Aufarbeitung waren während der Jubiläumsfeier in einer Ausstellung zu sehen; außerdem wurden sie in einer Broschüre ausführlich dargestellt (hier lesen).

Dr. Norbert Beck, Leiter des Therapeutischen Heims Sankt Joseph in Würzburg, hielt einen Fachvortrag zum Thema „Kinder- und Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Gemeinsame Wurzel – unterschiedliche Wege: Historischer Rückblick auf die Kooperation der Systeme“. Auch der Heimrat der Leppermühle gab einen Einblick in seine Arbeit. Musikalisch gerahmt wurde der Festakt von einer jungen Bewohnerin der Leppermühle am Klavier sowie von einem jungen Mann, der einen Tanz zu einem Michael-Jackson-Medley zeigte.

Im Anschluss an den Festakt bestand die Möglichkeit, sich in Ruhe die Ausstellung anzusehen, sich mit Kooperationspartnern und Kollegen auszutauschen und Erinnerungen zu teilen. Am Abend klang die Jubiläumsfeier mit einem Mitarbeiterfest aus.

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